


Petershagen
Berliner Hof
Der Hof Spönemann in der Kleiriehe 36, früher Friedewalde Nr.29, trägt die Beinamen „Wüntken Hoff“ und „Berliner Hof“. Der Name „Wüntken“ stammt von der Familie Ruhe, die ab 1762 auf dem Hof lebte. Der Beiname „Berliner Hof“ entstand, weil Heinrich Mohrhoff, Architekt und Bauunternehmer in Berlin den Hof seiner Frau Marie Ruhe modernisierte und prägte. Ursprünglich im Dorf ansässig, wurden die Höfe im 18.Jahrhundert an der Kleinriehe neu aufgebaut. Das genaue Datum vom „Berliner Hof“, ist laut Inschrift 1891. Er wurde von Ferdinand und Christine Ruhe, geb. Klöpper erbaut. Als Baumaterial dienten Backsteine und teilweise Fachwerk. Die Feldbrandsteine gewann man in der Feldbranntziegelei am nahen Tonloch. Die anderen Ziegel in der Ringofenziegelei am „Neuen Tonloch“ in Wegholm. Den oben genannten Erbauern, ist auch der Grabstein gewidmet, der heute noch auf dem Familienbegräbnis des „Berliner Hofes“ auf dem neuen Friedhof zu finden ist. Den Namen Mohrhoff übrigens, führt Heinrich in seinen Tagebuchaufzeichnungen auf seinen Urgroßvater Christian Mohrhoff zurück, „Mohrhof zum grünen Walde“ nannte er sich, oder wurde auch Schnieders, genannt. Die Besitzungen seiner Eltern waren jedenfalls in früheren Zeiten von Moor und Wald umgrenzt. Die Aussagen der verstorbenen Marie Christiani, genannt „Engelkens“ , bezeugen, daß noch um 1890 in der Kleinriehe gerodet wurde.
Am 16. Juli 1896, einem sehr heißen Sommertag, erlitt Wilhelm Mohrhoff in der Ernte mittags, bei einem erfrischenden Bad im gerade stillgelegten Tonloch, einen Herzschlag und ertrank, obwohl er ein sehr guter Schwimmer war. Weil die Mutter die Landwirtschaft nun allein besorgen mußte – sie war erst 28 Jahre alt, heiratete sie den Tischlermeister Rathert von der Stätte 130, denn alleine mit zwei kleinen Kindern konnte sie den Hof nicht bewirtschaften. Mit dem Tischlermeister hatte sie noch fünf Kinder, 4 Töchter und einen Sohn. Das Verhältnis der beiden Mohrhoff-Kinder zum Stiefvater wandelte sich im Laufe der Zeit von gut zu schwierig. Vor allem wurde das Verhältnis endgültig getrübt, als der Sohn Christian Rathert geboren wurde. Er verdrängte als Hoferbe später die rechtmäßigen Brüder Mohrhoff. Die Differenzen nahmen solche Ausmaße an, das Heinrich auf Veranlassung der Großmutter zu dem in der Nähe wohnenden Landwirt Ferdinand Ruhe, Nr. 29, „Wüntken“ kam, dessen Ehe kinderlos war. Sein Bruder Wilhelm wuchs dann bei der Großmutter auf und fand Arbeit in der Landwirtschaft.
Nach dem Schulbesuch erlernte Heinrich das Maurerhandwerk bei Onkel Maurermeister Christiani in der Kleinriehe. Der 4jährigen Lehrzeit mit Gesellenprüfung schloß sich ein Volontariat bei dem Architekten Zimmerling in Minden an. Hier konnte er sich Kenntnisse in der Büroarbeit erwerben. Im Sommer 1913 war Heinrich Mohrhoff mit den Maurermeistern Ehrich, Schweitzer und mit seinem Vetter, Christian Buddenbohm, Kleiriehe, als selbstständiger Maurer tätig. Heinrich Mohrhoff hatte nach dem Tod der Familie Ruhe (Nr.29) zunächst bei seinem Onkel Christiani, genannt Engelkens, gewohnt, bevor er 1912 bei seinem Onkel Maurermeister Ehrich einziehen konnte. Er gewährte ihm eine gute Behandlung und wurde ihm zum zweiten Vater.
Heinrich Mohrhoff ging 1914 zum Militär. Er wurde nach Berlin eingezogen und kam später ins Militärbauamt nach Spandau. Nebenbei machte er auf Empfehlung von Vorgesetzten ein Architekturstudium, das er 1919 mit dem Staatsexamen abschloß. Außerdem bestand er vor der Handwerkskammer die Maurermeisterprüfung. Heinrich verliebte sich in Marie Ruhe und die beiden heirateten 1919. Nach diversen verschiedenen Arbeitsstellen machte Heinrich sich selbstständig. Sein Geschäft in Berlin lief so gut, daß er einen Teil seines Verdienstes in den von seiner Frau geerbten „Wüntken Hoff“ stecken konnte, den sein Bruder Wilhelm und seine Schwägerin Marie führten. Der Besitz betrug einschließlich des gesamten Komplexes am Tonloch 25 AR. Anfang der 30er Jahre wurde das Hauptgebäude neu durchgebaut. Das Haus erhielt auf der westlichen Seite ein Badezimmer mit Holzofen und eine Toilette mit Wasserspülung sowie eine zusätzliche kleine Kläranlage im Garten. Dies war die erste Einrichtung dieser Art im Dorf. Zusätzlich wurde unter den neuen Räumen der Keller vertieft und erweitert. Außer dem Bad gab es in der Wirtschaftsküche Fliesen. Damals waren dies bemerkenswerte Einrichtungen.
Neben den o.g. zusätzlichen Räumen auf der Westseite des Hauses war auch die 1. Etage für Wohnzwecke zu der Zeit hergestellt, denn die Besitzer aus Berlin brauchten für ihren Aufenthalt nicht nur Schlafräume, sondern auch ein repräsentatives großes Wohnzimmer. Im weiter ausgebauten Keller (Westseite) sorgte schon 1935 eine Wasserpumpe für die Wasserversorgung im ganzen Haus, wobei es aber zusätzlich vor der Wirtschaftsküche draußen auf dem Brunnen noch eine Handpumpe gab. Der Stall nach Osten hin wurde neu erbaut. In den Jahren 1934/35 entstand als letztes Gebäude eine große Scheune auf der nördlichen Seite. Aber auch die Außenanlagen waren nicht nur für die Bevölkerung in Friedewalde eine Aufmerksamkeit erregende Sache. Der Garten zur Südseite hin war wie auf dem Bild des Malers Peter Neubauer mit wertvollen Pflanzen im französischen Stil angelegt. Neben dem Halbrund des großem Blumenbeetes, gliederten Kieswege die gesamte Anlage. Nach Süden hin begrenzte eine Pappelallee den Garten. Sie wurde 1964 beim Neubau des Wohnhauses von Harry Schülke, Kleiriehe 36, gefällt. Nach Osten hin begrenzte eine Lingusterhecke einen ca. 150 m x 10 m großen Gemüsegarten mit Beerenobst. Dieser wurde wiederum abgeschlossen von einer Apfelbaumreihe zur Feldseite. Auf der Nordseite zur Scheune wurde bis zu Buddenbohm, Kleinriehe 40, eine Obststreuwiese angelegt.
In den ersten Jahren dieser Anlage wurde auch ein Gärtner beschäftigt, der die Pflanzen auf diesem schwierigen Tonboden betreuen mußte und den langen Zaun in Schuß hielt, der die Anlage von Scheps Wiese bis Buddenbohm einschloß. Die Verbindung von Heinrich und Marie Mohrhoff zu Friedewalde erschöpfte sich aber nicht nur als Idee- und Geldgeber des „Berliner Hofes“. Die Mohrhoffs führten auch in Berlin ein großes Haus und damit der Mutter von drei Kindern für die vielfältigen Aufgaben auch Zeit blieb, hatten sie ständig Hausmädchen aus Friedewalde da. Es waren Mädchen aus der weiteren Friedewalder Verwandschaft. (Bräms, Schlangen, Brümbrinks, Kocks) Für die jungen Frauen war es ein großes Erlebnis, dieser Aufenthalt in der Groß- und Hauptstadt Berlin Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre. Außerdem lernten sie dort auch das Führen eines größeren Haushalts. Friedewalde hatte zu der Zeit einen weiteren attraktiven landwirtschaftlichen Besitz, was die Struktur und Wirtschaftsweise anging, nämlich „Kneisen Hof“. Frau Bredemeier bildete als Hauswirtschaftsmeisterin Lehrmädchen aus und Heinrich Bredemeier Lehrlinge. Die Familien Bredemeier und Mohrhoff pflegten eine herzliche Freundschaft. Sie trafen sich entweder in Friedewalde oder die Bredemeiers wohnten während der Berliner Woche bei den Mohrhoffs in Berlin.
Während Heinrich Bredemeier der erste Motorradbesitzer- und Fahrer in den angehenden 20er Jahren in Friedewalde war, galt Heinrich Mohrhoff als ein ebenso technikbegeisteter Autofahrer. Er fuhr aus Berlin kommend mit dem Auto mit der ganzen Familie im Sommer in Friedewalde vor. Heinrich behielt aber trotz seiner Berliner Heimstatt immer intensiven Kontakt zu seinem Heimatort. Die Jagd im Mindener Wald wurde gemeinsam mit seinen Freunden (Drabert, Schäferbarthold aus Minden) gepachtet und auch mit den Freunden aus dem Dorf, nämlich Bredemeiers, Hasemanns u.a. betrieben. Oft traf man sich im „Deutschen Haus“ zum Schlüsseltreiben. Es war dann auch Heinrich Mohrhoffs Planung, den Um- und Anbau des Saales Anfang der 30er Jahre in der damals hier noch nicht bekannten freitragenden Bauweise zu erstellen. Die Friedewalder Feste, besonders, das beliebte Gluckenfest, waren stets ein Anlass für eine Reise nach Westfalen, wie Heinrich sich gern ausdrückte. Ebenso stiftete Heinrich Mohrhoff der Kirche in Friedewalde ein großes Altarbild. Ihn verband nämlich mit dem damaligen Pfarrer Neumüller eine tiefe Freundschaft. Das Bild befindet sich seit der Renovierung der Friedewalder Kirche auf der Westseite der Empore.
Er war zwar ein Aufsteiger in Berlin, blieb aber ein Kind des Dorfes. Er wußte, was ihm Heimat bedeutete und was er ihr verdankte. Aus diesem Grunde war er auch sehr beliebt. Dies mehrte natürlich weiter den Ruf des „Berliner Hofes“. Heinrichs gesellschaftliches Leben war natürlich auch dem Berlin der damaligen Zeit angehaftet. Neben einflußreichen politischen Freunden hatte Heinrich einen großen Freundes- und Bekanntenkreis in der Berliner Geschäftswelt, darunter auch Freunde jüdischer Abstammung. Beruflich gründete er die Industrie- und Straßenbau GmbH Berlin, deren Hauptgesellschafter er war. Er baute zu der Zeit viele Wohnanlagen, z.B.in Berlin-Lankwitz, und natürlich war er am boomenden Straßen- und Industriebau der 30er Jahre beteiligt. Der Motorsport begeisterte Heinrich so, dass er auch Autorennsport betrieb. Im Frühjahr 1935 war in Friedewalde der Umbau des Haupthauses, der Anbau des Stalles mit großer Futtertenne und die Scheune fertiggestellt worden; nach seinen Plänen. Bevor Heinrich Mohrhoff diese Bauwerke abnehmen konnte, führte ihn seine Motorsportbegeisterung zu einem Autorennen nach Wiesbaden. Am 30. Mai 1935 verunglückte Heinrich dabei schwer und verstarb am 31.05.1935 an den Folgen. Am 2. Juni wurde er dann von Wiesbaden nach Friedewalde überführt und dort in einer Gruft beigesetzt. Der ersten und einzigen Gruft, die noch heute auf dem neuen Friedhof existiert. Der Bruder von Heinrich, Wilhelm Mohrhoff führte den Hof in Friedewalde weiter.
Heinrichs Frau verstarb zwei Jahre später, sehr jung, im Alter von 39 Jahren. Die drei minderjährigen Geschwister Marianne, Gudrun und Ingrid kamen zu Onkel und Tante auf dem Berliner Hof, den die Tochter Gudrun 1946 erbte. 1946 wurde Margarethe Schülke, geb. Horstmann nach der Flucht aus dem Warthegau und einjährigem Aufenthalt in einem Sammellager, in der Lüneburger Heide, zu der weitläufigen Verwandtschaft Mohrhoff auf den „Berliner Hof“ eingewiesen. Der Vater von Ihr stammte aus Südhemmern und hatte kurz nach 1900 als nachgeborener Sohn in Kilp bei Kulm (heute Polen) gesiedelt.
Als Harry Schülke 1946 aus der Gefangenschaft nach Friedewalde kam, konnte er sich auf dem Hof mit seiner Arbeitskraft einbringen, ehe er eine Stelle als Buchhalter in Minden fand. Familie Schülke hat dann zu Gudrun Mohrhoff ein besonders inniges Verhältnis aufgebaut und diese, wenn gewünscht, auch beraten. Gudrun Wandschneider bewirtschaftete den „Berliner Hof“ mit Ihrem Mann Helmut Wandschneider bis 1950. Diese Ehe wurde aber bald geschieden und Harry Schülke pachtete den Hof von 1950 bis 1964. Er führte als erster im Dorf die Silagetechnik für Mais ein, die er als Verwalter auf den Gütern um Posen kennen gelernt hatte. Auch baute er als erster Mais als Futterpflanze an. Im großen Südgarten konnte Harry Schülke 1964 ein Wohnhaus erbauen, das die Familie Weihnachten 1964 beziehen konnte. Der Hof wurde 1964 von der Familie Spönemann gekauft. Sie war von ihrem Besitz in Minden an der Hahler Straße gewichen, damit dort die Kreissporthalle gebaut werden konnte.
